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Spezielle Brillengläser mit einem Farbfilter - ähnlich wie bei der Sonnenbrille - können Farbenblinden dabei helfen, Farbunterschiede besser wahrzunehmen. Foto © ZVA/Skamper

Spezialbrillen für Farbenblinde?

Spezielle Brillen für Farbenblinde verändern die wahrgenommene Farbskala geringfügig mithilfe eines Filters – ähnlich wie eine Sonnenbrille mit farbig getönten Gläsern. Doch hilft das Betroffenen wirklich?

Die meisten Menschen verfügen im Auge über ein System mit drei verschiedenen Arten sogenannter Zapfen auf der Netzhaut: je ein Zapfen für die Wahrnehmung von Blau, Rot und Grün, weitere Farben ergeben sich aus der Mischung von blauem, grünem und rotem Licht. Unser Gehirn empfängt die Signale, die bei diesen Zapfen ankommen, vergleicht sie und ist somit in der Lage, ein großes Spektrum an sichtbaren Farben wahrzunehmen. Farbenblinde verwechseln Farben aus diesem sichtbaren Spektrum in unterschiedlichem Ausmaß, je nach Typ und Ausprägung der Farbenblindheit.

Eine völlige Farbenblindheit, die Achromasie, schränkt die Betroffenen deutlich ein, da sie nur Graustufen erkennen und nur bei Dämmerung blendfrei sehen können. Bei ihnen sind alle drei Zapfenarten funktionslos und sie können nur mithilfe anderer Lichtsinneszellen, den Stäbchen, sehen. Diese sind bei Normalsichtigen für das Dämmerungs- und Nachtsehen zuständig.  
Bei den meisten Farbenblinden sind hingegen nur ein oder zwei Zapfenarten nicht vorhanden oder funktionslos bzw. eingeschränkt in ihrer Funktion. Abgesehen davon, dass Farbenblinde somit ein kleineres Spektrum an Farben erkennen oder Farben leicht verwechseln, sehen die Farben für sie eventuell anders aus als für Normalsichtige – obwohl sie ihnen dieselben Namen geben.

Situationsbedingte Verbesserung

Spezialbrillen können dieses Problem nicht vollständig lösen, in einigen Situationen können sie jedoch helfen, bestimmte Farben besser wahrzunehmen. Filtergläser können dem Licht, das von einem Objekt abstrahlt und je nach Wellenlänge als eine bestimmte Farbe wahrgenommen wird, nichts hinzufügen. Sie „schlucken“ stattdessen einen Teil dieses Lichts und somit einen Teil des Farbspektrums. Die Netzhaut eines Farbenblinden kann trotz Filter weiterhin nur zwei Signale anstatt drei empfangen, diese kommen durch das Filterglas allerdings verändert an. Somit sieht die Farbe schließlich eher einer anderen Farbe ähnlich, die der Farbenblinde vielleicht besser erkennen kann; oder sie besitzt mehr Leuchtkraft. Ob das hilft oder nicht, hängt davon ab, welche Farben insgesamt gleichzeitig auf einem wahrgenommenen Abbild der Umgebung auftreten.

Betrachtet man mit einer speziellen Brille beispielsweise ein Arrangement aus Obst und Gemüse, so erscheinen rote Äpfel und Paprika ein wenig mehr leuchtend-orange und lassen sich besser vom anderen Obst abgrenzen. Schaut man jedoch auf eine Ansammlung Pflanzen derselben Farbe, lässt sich kein Unterschied erkennen. Es kommt also sehr auf die Situation an, ob eine spezielle Brille mit Filtergläsern einen Farbenblinden bei der Wahrnehmung unterstützen kann oder nicht. Eines kann sie jedoch leider nicht: Einen Farbenblinden eine Farbe original so erkennen lassen, wie ein Normalsichtiger sie wahrnimmt.

Neue Lösungen

Forscher der Universität Birmingham haben einen besonderen Farbstoff entdeckt, der auf Kontaktlinsen oder auch Brillengläser aufgetragen werden könnte, um die körpereigenen Farbrezeptoren des Auges zu unterstützen. Bisher kann der Farbstoff nur bei der weit verbreiteten Rot-Grün-Schwäche genutzt werden, das Forscherteam arbeitet aber bereits an einer Farbstoffkombination, die dann auch bei Lila-Blau-Schwäche helfen könnte. Sollte der Farbstoff marktreif werden, könnte er eventuell sogar von Betroffenen zuhause angewendet werden, um beispielsweise handelsübliche Kontaktlinsen einzufärben, denn: Der Farbstoff soll laut Entwicklerteam kostengünstig und ungiftig sein. Auf Kontaktlinsen aufgebracht, bestünde gegenüber einer Spezialbrille für Farbenblinde außerdem der Vorteil eines erweiterten Gesichtsfeldes. Aktuell wird der Farbstoff jedoch zunächst in klinischen Studien erprobt.

Eine Farbenblindheit oder Farbsehschwäche kann genetisch bedingt und angeboren oder erworben sein, zum Beispiel durch Augenerkrankungen wie Grauer Star (Katarakt), einen Tumor oder Altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Oft bemerken Farbenblinde ihre Einschränkung des Sehvermögens lange nicht, da sie sich an ihre Sicht der Farbwelt gewöhnt haben. Ein einfacher Test beim Augenoptiker kann Aufschluss geben – liegt eine Farbenblindheit oder Farbsehschwäche vor, kann dieser zusammen mit dem Betroffenen eine individuelle Lösung finden.

 

08.11.2018